Bibelauslegung: Stichwort "Text"
Ich lese
die Bibel nicht grundsätzlich wörtlich ‐, sondern ich nehme Gott in Seinem Wort ernst! Diesen Unterschied dürfen wir nicht übersehen. Andernfalls wird es zu offensichtlichen Missdeutungen kommen.
Mit dem Stichwort Text
fragen wir nach der Text-Gattung des betrachteten Abschnitts. Schon aus der Schule wissen wir, dass man Berichte anders liest als Gedichte oder dass Fabeln (Gleichnisse) nach bestimmten Mustern geschrieben sind und entsprechend interpretiert werden müssen. Berücksichtigen wir diese Regeln nicht, so lautet das Ergebnis Ungenügend
oder Setzen, sechs
!
Wer diesen notwendigen Aufwand generell scheut oder leugnet, handelt mindestens fahrlässig und muss seine Motive hinterfragen lassen, denn die ewigen Wahrheiten verdienen die höchste Sorgfalt beim Erarbeiten und erst dann die Aufmerksamkeit im Sinne der Lebenspriorität (Gehorsam; vergl.: Joh. 7,17;).
Am besten und zuverlässigsten ist es, wenn wir konkret am Text begründen warum wir einen Abschnitt einer bestimmten Text-Gattung zuordnen. In komplizierten Fällen können verschiedene Text-Typen sogar von Satz zu Satz wechseln aber in der Regel dürfen wir zuerst einmal davon ausgehen, dass ein Sinnabschnitt einer Textart zuzuordnen ist.
Stichwort Text
Mit dem Stichwort Text
stellen wir am Anfang jeder Betrachtung gezielt die Frage: Um welche Textart handelt es sich bei dem betrachteten Abschnitt?
Welche Gattung liegt in dem Text vor?
- Prosa, Erzählung, Bericht
- Rede, Apell, Brief
- Diskussion, Erörterung, Disput
- Weisheits- oder Lehr-Literatur
- Gesetz, Regel, Verordnung, Vorschrift
- Lyrik, Poesie, Lied, Gedicht
- Gleichnis, Parabel, Fabel, Bildrede
- Traum, Gesicht, Vision
Die wichtigsten Textarten / Textgattungen
Hier folgt eine Liste der wichtigsten Textarten mit einer kurzen Erklärung und / oder ihren typischen Signalworten:
- Bericht: (bei Augenzeugen:
ich
,wir
), eher indirekte Rede, beantwortet alle klasischen W-Fragen (Wer? Wo? Wann? Was? Wie?); verzichtet (meist) auf eine Wertung.
Einen Bericht dürfen wir wörtlich nehmen.
Erzählung: (bei Augenzeugen: - Symbol, Symbolhandlung: Erklärung, konkrete Botschaft (meist durch einen Propheten); bei Kulthandlungen oder Opfern: komplexe Zusammehnhänge in denen sich Symbole wiederholen, wechselseitig ergänzen oder erklären;
- Vision, (nacht-)Gesicht, Traum: Meist handelt es sich dabei um bildsprachliche Texte, die erklärt werden. Die Erklärung muss nicht immer an derselben Stelle erfolgen. Meistens ist das aber durchaus der Fall, dass innerhalb der erzählten Rahmen Geschichte auch die Erklärung eingebaut wird.
- Gesetz, Befehl, Verbot:
soll
,sollen
; typischer Aufbau aus vorliegender Situation (Fall) und darauf vorgegebener / vorgeschriebener Reaktion; - Brief: klassischer Grundaufbau aus Adressat und Absender am Beginn, Inhalt in der Mitte und abschließendem Gruß des Schreibers; Briefe können typischerweise im Hauptteil weitere (andere) Elemente und Textgattungen enthalten, die durch das Thema oder den Themenbereich bedingt angebracht sind.
ich,
wir), eher wörtliche Rede, kann W-Fragen offenlassen, kann Wertung enthalten;
Eine Erzählung dürfen wir wörtlich nehmen. Vergleich:
ähnlich,
wie,
alsin Verbindung mit den Eigenschaften (Adjektiven) auf die Bezug genomen wird; Vergleiche beziehen sich immer auf konkrete Eigenschaften und dürfen nicht auf andere Eigenschaften oder Bereiche ausgedehnt werden. Gleichnis (Parabel, Fabel, Bild, Bildrede): Deutung, Erklärung, Parabel typisch ist die Moral als Quintessenz; Gleichnisse greifen häufig Alltags Gegenstände oder Handlungen auf um bestimmte geistliche Realitäten zu veranschaulichen; Auch hier ist - wie beim Vegleich - eine Deutung ausschließlich Gedicht, Lied, Poesie: Form, Sprach-Rhythmus, Reime; die hebräischen Reimformen des Parallelismus und Antiparalellismus bleiben auch nach einer Übersetzung erkennbar - andere Reime können nur in der original-Sprache ganz sicher erkannt werden; z.B. ist eine typisch germanische Reimform der Stabreim;
Ich habe hier nur einen groben Überblick über die Textarten gegeben, damit beim 1. Lesen eine Übersicht vorhanden ist und die Erinnerung an einmal gelerntes aufgefrischt wird. Ausführlichere Informationen zu den Textarten können unter Lexikon Textart Stichwort nachgeschlagen werden.
Weiter Fragen, die bei der Einordnung eines Abschnittes in eine Textgattung hilfreich sind
Was bedeutet das für den Aufbau des Textes?
- Gibt es Einleitung, Hauptteil, Schluß?
- Welche Abschnitte gibt es noch?
- Welchem Muster/Aufbau folgt die
Komposition
des Textes? - Was bedeutet das für die Kernaussage und das Verständnis?
Zu berücksichtigende Anmerkung zu den Überschriften in der Bibel und der verwendeten Bibelübersetzung.
Was bedeutet das für die Wortwahl des Textes?
- Wird von realen Gegenständen gesprochen?
- Wird mit Symbolen / Bildern gearbeitet?
- Gibt es Erklärungen zu den Begriffen / Symbolen?
Welche Stilmittel verwendet der Text?
- Stilmittel-Liste, mit biblischen Beispielen geplant
- Reime: Stabreim, Parallelismus, Antiparalellismus (herbräische Reimformen, in den Psalmen häufig)
Da wir hier nur eine kleine Auswahl erwähnen können hier der Vollständigkeit halber der Link auf Wikipedias Liste rhetorischer Stilmittel
bibelarbeit.info