Bibelarbeit-Logo bibelarbeit.info
Bibel lesen, lernen und leben – törichte Jungfrauen

törichte Jungfrauen

Töricht?

Jedes Mal wenn wir über das Gleichnis Jesu von den 10 Jungfrauen hören wird der Unterschied zwischen den fünf Klugen und den fünf Törichten am Öl fest gemacht. Das Öl wird dabei - wie sonst an vielen Bibelstellen - als Symbol des heiligen Geistes gedeutet.

Ich habe hier drei einleitende Fragen an zum Text des Gleichnisses und der Erzählsituation:

  1. Wie kann Jesus im Gleichnis die fünf Jungfrauen ungerügt als töricht bezeichnen während Er sich in der Bergpredigt von einem solchem Denken radikal distanziert?
  2. Bezieht sich Jesus im Gleichnis mit dem Öl der Lampen tatsächlich den Heiligen Geist?
  3. Kann der Öl-Vorrat der klugen Jungfrauen etwas mit den Heiligen Geist zu tun haben?

Ich würde alle drei Fragen schlicht aber eindeutig mit Nein beantworten! Warum?

Zum Gleichnis:

  1. Alle zehn waren Jungfrauen.
  2. Alle zehn Jungfrauen waren geladenen Gäste.
  3. Alle zehn Jungfrauen waren ausgerüstet (mit Lampe, Docht und Öl in den Lampen).
  4. Alle zehn Jungfrauen waren am richtigen Ort.
  5. Alle zehn Jungfrauen haben auf den Bräutigam gewartet.
  6. Alle zehn Jungfrauen sind eingeschlafen (und werden von Jesus dafür nicht gerügt!).
  7. Alle zehn Jungfrauen werden durch den Ruf Der Bräutigam kommt! geweckt.

Der kleine entscheidende Unterschied

Es besteht nur ein kleiner, aber entscheidender, Unterschied zwischen den törichten und klugen Jungfrauen. Die Klugen haben im Gegensatz zu den Törichten Reserve-Öl bei sich.

Übliche Deutungsversuche

Wenn wir das Öl in den Lampen als Symbol des Heiligen Geistes verstehen, und die Bibel legt das durchaus nahe, dann hatten auch die fünf törichten Jungfrauen den Heiligen Geist bzw. wurden auch sie vom Heiligen Geist erleuchtet.

Jesus rügt keine der Zehn, weil sie eingeschlafen wäre. Er bezeichnet einfach die Fünf ohne das Reserve-Öl als töricht. Und das obwohl er selbst in der Bergpredigt solche abwertenden Bezeichnungen konsequent verurteilt. Jesus weist schon am Beginn der Parabel auf den Fehler der törichten Jungfrauen hin. Und keiner seiner Zuhörer widerspricht Jesus dabei. Folglich müssen Jesu Zuhörer gewusst und verstanden haben was an dem Verhalten der fünf Jungfrauen derart töricht war. Denn niemand wagte es sie zu verteidigen!

Und genau dieser Unterschied spricht dafür, dass wir heute dieses Gleichnis oft missverstehen. Mir scheint das Jesus hier von einer ganz anderen und viel weniger geistlichen Ebene spricht, in der es um ganz einfache Dinge geht, die aber deutliche Auswirkungen auf unser geistliches Leben haben.

Lampe und Öl als alltäglicher Gegenstand

Schauen wir uns einmal eine klassische Öllampe aus dem Umfeld Jesu an (Bild siehe: Wikipedia). Sie besteht zuerst aus einem Tongefäß mit einem Schnabel. In diesem Schnabel liegt ein Docht (aus Leinen oder Hanf-Fasern). Das Gefäß wird mit Öl gefüllt und die Kapillar-Wirkung des Dochtes sorgt dafür dass der Docht sich vollsaugt.

Nun brennt Öl nicht! Selbst wenn wir ein brennendes Streichholz in eine Öl-Lache werfen erlischt es ohne das Öl zu zünden! Öl alleine brennt also nicht. Erst die katalytische Wirkung des Dochtes - oder besser der Asche-Spuren auf dem Docht - sorgen dafür dass das Öl bei weniger als 180°C verdampft und brennt.

Das Öl im Gefäß aber wird nach wenigen Stunden verbraucht sein, weil es, wie wir wissen, verbrennt.

Jeder, der schon einmal eine Petroleum-Lampe betrieben hat, weiß um diese einfachen und logischen Zusammenhänge. Und das selbst dann wenn er von der Chemie und Theorie, die dahinter steckt, nichts versteht!

Für die Zeitgenossen Jesu waren diese Öllampen ein üblicher Alltagsgegenstand. Jeder hatte ihn und Jeder kannte ihn. Jeder war vertraut mit seiner Funktion und Anwendung. Diese Kenntnisse gehörten selbst im weniger gebildeten Volk zum notwendigen Alltagswissen.

Die Hochzeit als bekannter, öffentlicher Rechtsakt

Wenn eine Jungfrau und Zeitgenossin Jesu zu einer Hochzeit geladen wurde, dann kannte sie dieses Procedere. Der Ablauf war wie folgt: Der Bräutigam handelte zuerst mit dem Brautvater die Hochzeits- oder Ehe-Bedingungen aus. Danach brachte er die Braut als seine Frau in sein Haus und zur Hochzeitsfeier.

Wenn der Brautvater ein rechter Jude war, dann hat er immer versucht den Brautpreis zu seinen Gunsten auszuhandeln und für seine Tochter gute Bedingungen (bei Tod des Bräutigams oder einer Scheidung) zu erreichen. Hinzu kommen noch Wege und Reisebedingungen.

Selbst unter guten Bedingungen konnte sich die Ankunft des Bräutigams in seinem Haus zur Hochzeit allzu leicht verzögern. Auch das war allen Israeliten bekannt!

Das neue Verständnis von den zehn Jungfrauen

Auch jede geladene Jungfrau wußte das. War sie aber auch bereit und in der Lage dieses Wissen anzuwenden? Wem die kleine Ölreserve für die Wartezeit vor der Hochzeit fehlte, der muss den Zuhörern Jesu als höchst töricht erscheinen. Wir würden heute auch von naiv, gedankenlos, unaufmerksam, kurzsichtig, inkonsequent kurzsichtig oder dumm sprechen.

Weil sie das Selbstverständlichste der Welt nicht in eine nützliche Handlung umwandelte oder umsetzte.

In der Moral der Parabel Jesu von den zehn Jungfrauen mahnt ER uns wachsam zu sein. Dieses wachsam sein kann auch mit aufmerksam sein / mit wachem Verstand arbeiten oder mit aufmerksam alles bedenken (bevor man handelt) übersetzt werden.

Als erste Schlussfolgerung können wir diesem Gleichnis von den zehn Jungfrauen also den Aufruf Jesu an Seine Nachfolger zusammenfassen: Lebt mit wachem Verstand und bleibt aufmerksam!

Dies gilt übrigens für alle Gleichnisse und Parabeln mit dem Schlusssatz: Darum wachet! und verändert den Charakter der eher nebulösen Aufforderung hin zu etwas das in konkretes Handeln und in einen aufmerksamen Lebensstil umgesetzt werden kann. Schon das Alte Testament weist nachdrücklich darauf hin, dass wir hinreichend informiert sind was unserem Heil dient (vergl. Micha 6,8;).

Wer diesen aufmerksamen Lebensstil nicht anstrebt und umsetzt riskiert seine Erlösung nach Aussage aller Gleichnisse Jesu in diesem Abschnitt der Bibel. Wer also sein selbstverständliches Alltagswissen nicht auch auf die Bibel und das Geistliche überträgt handelt nach Jesu Aussage töricht statt wachsam und wird dadurch seine Erlösung verlieren!

Anwendung auf Heute

Nun stellt sich die Frage worin Christen heute so töricht handeln könnten, dass sie nach Aussage Jesus ihr Heil verlieren? Was sind die selbstverständlichen Dinge in unserer Gesellschaft oder Kultur, die jeder kennt und die logisch konsequent im Glauben angewendet werden sollten, deren Anwendung aber sehr häufig fehlt? Wo wird Selbstverständliches mit so auffällig weitreichenden Konsequenzen (regelmäßig) vernachlässigt?

In unserer westlichen Kultur ist eine grundlegende Schulbildung und ein entsprechender Sprachunterricht für praktisch Jeden ein selbstverständlicher Abschitt in seinem Leben. Wir lernen alle - aus sehr guten Gründen! - unsere Sprache, ihre Anwendung, Ihre Formen und Spielarten, damit wir uns privat und beruflich sinnvoll und verständlich Anderen mitteilen oder diese verstehen können. Und es gibt nur wenige Individuen, die diese Fähigkeit nicht erwerben können oder erworben haben sofern sie in dem westlichen Land aufwachsen in dem Sie geboren wurden.

Ich empfinde es als ausgesprochen inkonsequent und unlogisch wenn sonst redlich gebildete Menschen, die mit beiden Beinen im Berufleben stehen beim Lesen der Bibel plötzlich unfähig zu sein scheinen, das was sie im beruflichen Alltag beim Lesen von Zeitungen und Büchern, Vereinbarungen und Verträgen anstandslos beherrschen, nicht mehr für notwendig halten. Entweder gelten die in den Schulen gelehrten und gelernten Regeln für Sprache allgemein und damit auch für die in Sprache überlieferte Bibel oder sie gelten überhaupt nicht!

Wer also im Beruf und Alltag seine Sprache funktional und informativ beherrscht bestätigt die Gültigkeit der Regeln allein durch ihren erfolgreichen Einsatz. Darum müssen diese Kenntnisse ebenso beim Lesen der Bibel angewendet werden. Andernfalls ist der betreffende Mensch in meinen Augen als höchst inkonsequent und töricht zu betrachten!

Folgen unsachgemäßen Umgangs mit der Heiligen Schrift

Wer sagt uns eigentlich, dass nicht wir die Irrlehrer sind wenn wir nicht sorgfältig und sprachlich korrekt mit der Heiligen Schrift umgehen? Erst wenn wir unseren Umgang mit dem Offenbarten überprüft und systematisch reflektiert haben sind wir überhaupt nachvollziehbar in der Lage biblische Wahrheit sauber von rafinierten Irrlehren zu unterscheiden. Darum ist es logisch, dass unsere eigene mangelnde Reflektion unserer Auslegungsmethoden weitreichende Folgen haben muss! Nach der Aussage Jesu im Gleichnis bis hin zum Verlust des Heils!

Ich kann darum nur dazu aufrufen respektvoll, wachsam und aufmerksam bei der Bibelauslegung zu bleiben und empfehle allen Nachfolgern Christi unbedingt sich mit dem Thema einer sorgfältigen Bibelauslegung auseinander zu setzen. Dabei muss keineswegs jeder Christ in der Lage sein eine komplexe Lehre zu erarbeiten - auch wenn ich das begrüßen würde - aber zum Prüfen von Lehre und ihrer Entstehung muss jeder reife Christ fähig sein.

Erfahren Sie mehr über die Grundlagen und Bibelauslegung nach der biblisch kritischen Methode.

Navigationshilfe:

vgWort